Wenn …

Das nachfolgende Gedicht ist das erste Ergebnis einer nunmehr intensiven Beschäftigung mit dem romantischen Landschaftsmaler Caspar David Friedrich. 

Wenn …

(oder: Die letzten Verse)

 

Wenn über stillen Lindenbäumen,

der Mond die Nacht erhellt

und alle voller Hoffnung träumen

von einer bess’ren Welt,

bin ich mit sehnsuchtsvollem Pochen

in meiner Brust längst aufgebrochen.

Mich führt allein das Sternenzelt.

 

In fremde Spuren trete ich,

um keine selbst zu hinterlassen.

Die Sterne nur begleiten mich.

Wir wissen, uns kann niemand fassen.

 

Die Menschen liegen hinter mir.

Entflohen bin ich ihren Massen.

Entfliehen wollte ich auch dir,

um dich, oh Liebe, nicht zu hassen.

 

Wenn immerzu die Ähren rauschen,

der Wind nun Wolken bringt,

die Felder meinen Schritten lauschen,

der Mond allmählich sinkt,

vergesse ich mein altes Leben,

mein Sorgen, Fürchten, alles Streben.

Und schaut, wie leicht mir das gelingt!

 

Ich reiße alle Brücken ein,

die Tal und Flüsse überqueren.

Ich will ein Namenloser sein

und allem meinen Rücken kehren.

 

Nun denkt von euch nicht allzu gut!

Euch Menschen kann ich leicht entbehren.

Und nimmermehr von meinem Blut

wirst du je wieder etwas zehren.

 

Wenn mit den ersten Sonnenstrahlen

mein neuer Tag beginnt,

euch aber unter Alltagsqualen

die Lebenszeit verrinnt,

dann flucht und neidet in der Ferne,

dass eure Nacht, die Silbersterne

und schließlich ich verschwunden sind.

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~ von totalblackout - 28. August 2016.

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