Neue Website

•13. September 2017 • Schreibe einen Kommentar

Liebe Leser/innen,

diese Seite bzw. die zu ihr leitende Adresse wird mit Ende des Jahres eingestellt werden. Eine neue Website ist aber soeben in Planung. Künftig gibt es aktuelle Neuigkeiten zu meinem Schaffen auf

www.rene-kanzler.com

Schaut vorbei, es lohnt sich!

 

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Ausschreibung / Call for submission

•20. Juli 2017 • Schreibe einen Kommentar

Liebe Autoren/innen unter euch, schaut doch bitte einmal auf den folgenden Link. Vielleicht habt ihr Interesse, daran teilzunehmen. Neben Lyrik und Kurzprosa sind auch Essays erwünscht. 

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https://www.autorenwelt.de/verzeichnis/aufrufe/transnational-5

Kleiner Mutmacher

•10. Juli 2017 • Schreibe einen Kommentar

 

 

Ist dir so bang, bist du verletzt,

glaubst du nicht mehr an einen Sinn,

schreist du zu Recht: „Mir reicht es jetzt!“,

wirfst alles weg, schmeißt alles hin,

dann heb’ ich alles wieder auf

und reiche es dir lächelnd rauf.

 

Unruhige Seele

•26. Juni 2017 • Schreibe einen Kommentar

Ich freue mich, das nächste heiße Eisen aus dem Feuer holen zu dürfen. Je ein Haiku und ein Senryu aus eigener Feder erscheinen in der Sternenblick-Anthologie „Unruhige Seele“. Das Studium japanischer Kurzlyrik in deutscher Übertragung hat sich damit gelohnt. Schaut in das wieder einmal wunderbar konzipierte und gestaltete Sammelwerk, kauft es und spendet damit einer guten Sache! Weitere Infos zu allen Autoren gibt es auf https://www.sternenblick.org

Lassen wir also die literarische Bombe endgültig platzen

•21. Mai 2017 • Schreibe einen Kommentar

 

Ab sofort bin ich Herausgeber und Projektleiter der sozial-politischen und nicht kommerziellen Literaturzeitschrift „The Transnational“. Das Magazin wird bisher einmal jährlich erscheinen und sammelt Poeten aus aller Welt, die sich zu Sozialem und Politischem literarisch äußern wollen. Das Konzept des Transnational sieht vor, jeden Text, egal ob Gedicht, Geschichte, Drama, Aphorismus oder Essay, sowohl in Englisch als auch in Deutsch zu publizieren. Dabei wird die Vielfalt der Meinung zelebriert, die im Sinne einer demokratisch aufgeschlossenen Welt das Nachdenken, Überdenken und Diskutieren anregt!

 

Wer mitmachen möchte, klicke auf unsere neue Website, die nun kontinuierlich mit Inhalten ergänzt wird. In diesem Zuge möchte ich mich bei den Designern Marc Wippich und Dave „The Freak“ Scholze für die grandiose Arbeit bedanken. Und vor allem bei Sarah Katharina Kayß, die mir die große Chance gab, das Projekt weiterleben und fortführen zu lassen!

 

Neue Infos rund um das Mitarbeiterteam und zu der neuen Ausgabe werden nach und nach aktualisiert und ergänzt. Teilt die frohe Botschaft, macht mit und genießt ein Projekt, welches weltumspannend in die nächste Runde gehen wird!

 

Neue Website: www.the-transnational.com

Und einen blauen Daumen für die Facebookseite: https://www.facebook.com/TheTransnationa

De Bügelatione

•25. April 2017 • Schreibe einen Kommentar

Ein rasches Zwinkersmiley-Vorwort

Die Zeitungen, Klatschblätter und Literaturmagazine schrieben vorab: „Ist das Kunst oder kann das weg?“; „Verse, die die Welt nicht braucht.“; „René Kanzler wettert gegen schlechte Lyrik und dann so etwas“; „Dreht er jetzt völlig durch?“; „Ein sinkender Stern am Lyrikhimmel“; „Bye, bye René Kanzler!“ Mehrere Brennpunkte mit dem Schwerpunkt „Der Fall der Dichtung“ wurden gesendet, bei Anne Will diskutierten die Gäste ebenso rege wie bei Plasberg über den jetzigen Scheidepunkt deutscher Versliteratur. Auf N-TV gab es die ersten Dokus mit original Schwarzweißarchivaufnahmen und Experteninterviews über das Leben des einst so hochangesehenen Dichters. Und schließlich warnt der Verbraucherschutz seit Neustem: „Das Lesen dieser Verse birgt ein erhebliches Hochdruckrisiko!“

Doch was nützt es, dem Geschmack der Allgemeinheit zu folgen? Wer etwas als Autor zu sagen hat, der schreibe es – so kunstvoll, mit so viel Gefühl, Verstand und Handwerk, wie es nur geht. Die Meinung der Masse ist kein Kriterium für die Güte der eigenen Kunst.

Noch jüngst tauchte ein Pergament mit den Versen eines neuen Dichterideals auf. Forschung und Wissenschaft wie Kunst und Kultur waren entsetzt. Dieses Ideal durfte, ja dürfte niemals Realität werden. Doch eben jene Realität holte mich längst ein. Daher musste ein Zeichen gesetzt werden, ein Zeichen gegen Zusammenhangslosigkeit, ein Zeichen gegen Satzzeichenlosigkeit, ein Zeichen für Metrum, ein Zeichen für Reime, aber auch ein Zeichen für den freien Vers.

Und wie könnte man besser derartig viele Zeichen setzen, wenn nicht mit tiefempfundenen Liebesgedichten. So entstand die nachfolgende, überschaubare Sammlung mit dem Titel „De Bügelatione“ – Verse, die jedes Herz höher schlagen lassen werden, Verse von noch nie verdichteter Wahrheit über das Wahre im Leben. Und wer weiß, vielleicht schreibt einst die Angebetete zurück und erwidert, was die Verse so klar zum Ausdruck bringen.

 

Viele Freude beim Lesen! Zwinkersmiley

 

De Bügelatione

 

Es besteht doch keine Pflicht,

Liebchen, etwas auszuklügeln,

bin ich doch ein schlichter Wicht;

leicht kannst Du mein Herz beflügeln.

Viel bedarf es dazu nicht:

Nimm mein Hemd, Du sollst es bügeln!

Und wenn dann das Morgenlicht

rein auf blondverdeckten Hügeln

schillernd strahlt, werd’ ich mich schlicht,

ach mein Liebchen, nicht mehr zügeln!

 

Die Moral von dem Gedicht:

Wonne bringt des Liebchens Bügeln

und ein Lächeln ins Gesicht!

 

Sehnsuchtsvoller Nachtrag:

Ach Liebchen, Du willst mir nicht schreiben

auf mein gar zuckersüßes Buhlerwerk.

Doch sag’, wie lang soll er noch bleiben,

der Dir längst anvertraute Bügelberg?

 

Tränenbenetzter Nachtrag:

 

Du gingst. Nun bin ich nicht mehr dein.

Drum bügel’ ich hier ganz allein.

Der Hausfrau Arbeit ist nun mein.

Wer mag mein neues Liebchen sein?

 

Trotzig-zynischer Nachtrag:

Liebchen, ich mach’s kurz und bündig!

Längst schon hab’ ich Dich vergessen

Längst schon wurd’ ich wieder fündig.

Liebchen, nur für Dich verkünd’ ich:

Bügel’ nie, das wär’ vermessen!

 

Entsetzter Nachtrag:

 

Stimmt es, Liebchen? Bügelst nun

von manch’ Fremden

deren Hemden?

 

Wie weit, wie weit ist’s mit dir

nur gekommen?

Bin benommen.

 

Komm’ doch wieder, um dann mein

Bügeleisen

anzuschmeißen.

 

Schmuddeliger Nachtrag:

Lass mich dein Bügelbrett,

sein, oh witziges Liebchen,

ganz hart und fest, wie gewohnt,

auf dass dein heißes Eisen,

gerne erst auf fremden Hemden,

seinen Dienst erfülle.

Oh lüsternes Liebchen, ich weiß

ob des Errötens deiner Wangen,

wenn du diese Verführung liest.

Ergib dich dem Gedanken

und lass mich dein Brett sein!

Ich will die beißende Hitze

deiner Bewegungen spüren

und mir gewahr werden,

dass du wieder bei mir, ach,

für mich, wie gewohnt, bügelst.

Ein großer Berg erwartet dich.

Du willst es doch auch!

 

Flehender Nachtrag:

 

Mein Hemd, das knittert fürchterlich

und sehnt sich arg nach deinen Händen.

Wenn diese sich jetzt hier befänden,

das wär’ ein Bügelglück für mich.

 

Oh Liebchen, wie oft denke ich

ans Hemdenglätten und ans Falten,

an dein so liebesvolles Walten,

das stets dem einer Göttin glich?

 

Mein Liebchen, meine Göttin sprich!

Hast du mich nicht genug geschunden

mit Einsamkeit in Knitterstunden?

Mein Hemd und ich, wir brauchen dich!

 

Sorgenerfüllter Nachtrag:

Ich hörte jüngst von deinen Reisen

ins Ferne mit dem Bügeleisen.

Man sagte, es sei abgekühlt.

Ich gesteh’, das hat mich aufgewühlt.

 

Fatalistischer Nachtrag:

 

Das Trinken habe ich begonnen.

Mehr blieb mir schließlich nicht.

Mein Lebensglück ist gar zerronnen.

Nur Stroh macht mich noch dicht.

 

Die Stadt weiß gut, wie sehr ich stinke

nach schlechtem, braunem Rum,

und bleibt, wenn ich im Vollsuff hinke,

stets angewidert stumm.

 

Des Nachts, wenn alle lieblich schlafen,

dann singe ich ein Lied.

Damit will ich das Liebchen strafen,

das herzlos von mir schied.

 

„Mein Hemd hat tausend Knitterfalten!

Du wolltest es doch so!

Hät’st Du das Bügeln beibehalten,

dann bräucht’ ich nicht den Stroh!“

 

 

Ein fast letzter Nachtrag:

Ach Liebchen, so wie ich hier schreibe,

und drum noch kurz am Leben bleibe,

erlaube mir, dir ohne Klagen

mit ganzem Herzblut schlicht zu sagen:

Dein Bügeln, das war sicherlich

das größte Lebensglück für mich.

 

Ein dithyrambischer Nachtrag:

Die Nacht ist alt.

Der Stroh ist leer.

Auf einem Bordstein,

da sitzt er zweifelnd

mit Tränenaugen.

Die Stadt, die schläft

und will nichts wissen

vom schwersten Leid

des Tiefbetrübten

und längst Verstummten.

Doch just entfacht

der Stroh sein Wirken.

Die leere Flasche,

die klirrt im Nichts –

also spricht er:

Was soll es? Was soll das Darben?

Ich bin kein Darber, ich bin ein Macher,

ein Geher, ein Schreiter, ja ein Mann!

Drum reiße ich jetzt und hier,

oh dunkle Städtenacht,

sieh den glorreich Auferstandenen an,

mir das Knitterhemd vom Leib,

zerreiße und schmeiße es,

wohin auch immer ich –

hörst du es in der Ferne? –

wohin ich, ich allein es will.

Diese faltenlose Stadt,

bügelglatt und wohl zusammengelegt,

ja sie soll mich hören!

Ich brauche kein Hemd!

Wer braucht das schon?

Götter sind nackt! Sie sind nackt!

Hörst du meine Worte

in deiner selbsterwählten Ferne?

Lass dort dein Eisen glühen und glätten

für jedes Aas,

für jeden Arsch,

dessen stinkendes Lumpenhemd

deinen zarten Hände, oh Liebchen

– des Nachts –

 nicht mehr ruhen lässt!

Schieb es nur hin und her

und auf und ab

auf fremden Hemden

und lächele so süß,

so unendlich treu und lieb,

ist dein Liebchenwerk getan!

Aber horch, oh Liebchen, horch!

Ich trage nimmermehr ein Hemd!

Götter sind nackt!

Er schreit noch weiter.

Die Stadt, die stört’s,

drum schreit sie mit

und wirft nach ihm

mit einem Eisen.

Er solle selbst

das Bügeln lernen

und endlich schweigen.

Er schaut verdutzt

und wundert sich.

Als er das Eisen

nun greifen will,

reicht eine Hand

so zart und lieb

alsdann ein Shirt.

2. Das aufgetauchte Pergament

•29. März 2017 • Schreibe einen Kommentar

Es ist exakt 1:34 Uhr. Die Stadt ist nebelverhangen. Sie schweigt. Hier und da leuchtet noch ein Fenster. Bald legt sich auch der letzte schlafen. Eine Ratte wagt sich auf die einsame Straße, um gleich darauf im Gebäude eines verlassenen Fabrikgeländes zu verschwinden. Neugierig blickt sie dort umher. Das Geräusch von quietschenden Reifen durchdringt den Nebel. Sie erschrickt. In einer der zahlreichen Lagerhallen findet sich ein Auto ein. Das schwarze, kennzeichenlose Fahrzeug mit verdunkelten Fenstern hält vor einer Wand und bestrahlt sie beißend mit dem Fernlicht. Die Ratte ergreift die Flucht und verliert sich in der Nacht.

Es ist nun exakt 1:39 Uhr. Zwei kräftig wirkende Männer mit Sonnenbrille zerren einen dritten von der Rückbank des Wagens. Der Dritte, klein und schmächtig, hat einen Jutesack über dem Kopf. Seine Hände sind gefesselt. Die beiden stoßen und schubsen ihn zur scheinwerfergrellen Wand. Aus der Beifahrertür steigt ein älterer Herr mit Sonnenbrille, sich auf einen goldenen Gehstock stützend.

„Hior unn sow, weg middn Sagg, Jungs!“, befiehlt er. Seine Lakaien gehorchen wortlos. Der Schmächtige wird sofort geblendet. Er ist verwirrt und kann sich nicht orientieren. Mit kurzen Handgriffen holt der Alte eine Zigarette hervor, zündet sie an, nimmt einen tiefen Zug und steckt sie dem Schmächtigen in den Mund. „Junge, duw mussd och ma üborlechen, was de machsd! Schonne ma was von Saddiere gehörd? Gannsd doch nisch immor alles sow ernsd nehm. Abor gud, willsde zum Schluss noche was laborn?“, fragt er kühl, während bereits hinter ihm eine P99 durchgeladen wird.

Der Schmächtige spuckt die glühende Zigarette aus, hält eine bedeutungsschwangere Pause und brüllt:

„Das Pergament muss vorgetragen werden! Und nichts mit Saddiere! Das Pergament offenbart ein Ideal für alle Poeten dieser Welt! Es muss vernommen werden!“

Die Lakaien schauen verdutzt. Der Alte zieht sich achselzuckend zurück. Mit einer Handgeste gestattet er dem Schmächtigen noch ein wenig weiterzusprechen.

„Jahrelang habe ich dieses Pergament erforscht. Ich wusste, es beinhaltet eine große Botschaft. Jede Dichterin und jeder Dichter fragten sich bisher, wie sie am besten schreiben, wie sie ewigen Ruhm und Herzen aller Lesenden und Hörenden erreichen könnten. Keiner wusste je, eine befriedigende Antwort zu geben; alles verlor sich in differenziertem Gequatsche. Aber endlich fand ich das Schriftstück und mit ihm die ultimative Anleitung zum perfekten Schreiben. Forscherkollegen sprachen von einem satirischen Schriftstück. Ich sollte alles nicht so ernst nehmen. Aber alles ist wahr! Alles, was da geschrieben steht, ist so rein, so perfekt, so unendlich vollkommen! Jaja, die Kollegen fürchteten sich vor einer neuen Art Dichter. Ach fürchteten sie sich! Aber nun soll es die Welt endlich hören. Hier, das ist das Gedicht, welches ich auf dem Pergament fand, ein Vermächtnis einer besseren Zeit, eine Sammlung von Leitgedanken, die Generationen von Dichterinnen und Dichtern zu Höchstformen antreiben werden.“

Er räuspert sich und nimmt im Scheinwerferlicht eine heroische, eine sehr heroische Pose ein. Aus dem Kopf rezitiert er seine Forschungsergebnisse:

 

„Leitgedanken des heutigen, nicht nur deutschen, Dichterideals

 

Ich schreib’ mal groß, ich schreib’ mal klein.

Es braucht nicht alles richtig sein.

Grammatik, nutzt doch nie ein Aas.

Erst ohne sie macht’s Schreiben Spaß!

Von Zeichensetzung halt’ dich fern.

Erst ohne sie liest man mich gern’!

 

Wenn es mich juckt, dann reime ich.

Doch wenn es zieht, dann besser nich’.

Ich bin so prächtig abgefeimt,

bestimme ob und was sich reimt!

Im Metrum reime das Gedicht?

Ach so ein Quatsch! Das brauch’ ich nicht!

 

Zusammenhänge oder Sinn –

die bringen keinem Vers Gewinn.

Und mein Gedicht versteh’ nur ich.

Du  etwa nicht? Was kümmert’s mich?

Mein Ausdruck, der ist nimmer schlecht.

Der Leser liest den Text nie recht!

 

Beraten lasse ich mich nicht,

versperr’ mich stets vor fremdem Licht.

Was ihr mir sagt, ist einerlei.

Ich bin ein Künstler, ich bin frei.

Ich schreibe viel, ich schreibe gern.

Ich bin der hellste Dichterstern.“

 

Unmittelbar nach dem letzten Vers kracht ein Schuss und scheint ewig durch die Nacht zu hallen. Es ist exakt 2:12. Irgendwo in der Ferne beschleunigt die Ratte ihren Schritt. Er fällt zu Boden. Eine Lache breitet sich aus. Das schwarze, kennzeichenlose Fahrzeug flüchte aus der Lagerhalle. Bevor ihn sein Leben verlässt, lächelt er vergnügt. Es ist exakt 2:13. Im davoneilenden Wagen rezitiert der Alte auf dem Beifahrersitz Ringelnatz: „Een Lusddmord inn Ehrn, gann niemand verwehrn!“